Interview des Dingolfinger Anzeigers zum Bundesliga-Rückzug

„Eine Entscheidung der Vernunft“

TVD-Vorstand Toni Kiebler zum Rückzug der TVD-Damen

Dingolfing. (af) – Der TV Dingolfing zieht nach einer starken Saison als Aufsteiger seine Damenmannschaft aus der zweiten Bundesliga zurück: Diese Nachricht kam in der vergangenen Woche für viele überraschend. Im exklusiven Interview mit dem Dingolfinger Anzeiger spricht der TVD-Vorsitzende Toni Kiebler über die Gründe und geht auch generell auf das Sportgeschehen in der Stadt Dingolfing ein.

  • DA: Herr Kiebler: Wann ist bei Ihnen der Entschluss gereift in der kommenden Saison nicht mehr mit dem TV Dingolfing in der zweiten Bundesliga an den Start zu gehen?
    Toni Kiebler: Das hat sich nach den Einzelgesprächen am 22. März herauskristallisiert, wo wir dann mitbekommen haben, das wir lediglich drei fixe Zusagen von den Spielerinnen für die kommende Saison haben. In der Saison selbst war das nie ein Thema gewesen. Erst am 15. April – bei der Vorstands- und Turnratssitzung – haben wir den Ausstieg aus der zweiten Bundesliga dann endgültig beschlossen.
  • DA: Wie bitter ist es vor allem, wenn man bedenkt, dass die Mannschaft als Aufsteiger eine sensationelle Saison gespielt hat?
    Toni Kiebler: Natürlich waren wir alle ein wenig enttäuscht und bei der Bekanntgabe ist dann schon die eine oder andere Träne bei den Spielerinnen geflossen. Das zeigt ja auch, dass viele ganz eng mit diesem Verein verwurzelt waren und auch immer noch sind. Doch letztendlich war es eine reine Vernunftsentscheidung, da wir eben nur drei Zusagen aus dem aktuellen Kader für die kommende Spielzeit hatten. Wir wollen diese Lücke nicht mit ausländischen Spielerinnen auffüllen und der sehr gute Nachwuchs ist einfach noch nicht so weit. Unser Ziel war immer, dass wir eine Mannschaft mit Spielerinnen aus der Region an den Start bringen. Dies ist eben nicht mehr möglich, da es so viele Spielerinnen in der Qualität für die zweite Bundesliga nicht mehr in der Region bei der Dichte von Bundesligisten im engeren Umkreis gibt.
  • DA: Sie begründen den Rückzug auch mit zu wenigen Helfern im Umfeld. Wird es immer schwerer Leute für das Ehrenamt zu animieren?
    Toni Kiebler: Das ist sicherlich richtig. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren. Die wenigen Leute sind dann aber mit Leib und Seele dabei und haben oftmals gleich mehrere Funktionen. Bei uns lag es aber auch an den hohen Anforderungen des Verbandes. Wenn ich das mit Bundesligazeiten des TVD in den 90er Jahren vergleiche, haben die Anforderungen schon arg zugenommen. Ob Sponsorenbetreuung, Pressearbeit oder Videos von den Spielen hochladen: Da war schon viel zu tun und irgendwann wird es für die wenigen Leute dann auch zu viel.
  • DA: Wie geht es nun weiter beim TV Dingolfing. Bleibt zum Beispiel der Trainer?
    Toni Kiebler: Jürgen wird sich im Münchner Raum mit Sicherheit einen neuen Verein suchen und uns deswegen nicht mehr als Trainer zur Verfügung stehen. Wir selbst werden uns bis zum 30. April entscheiden, ob wir in der Regionalliga oder Bayernliga an den Start gehen werden. Das liegt jetzt daran, wie die Kaderplanungen vorangehen. Generell werden wir uns jetzt ein vernünftiges Jugendkonzept überlegen und auch den Fokus auf qualifizierte Trainer legen. Die U13 ist zum Beispiel Vierter in der Bayerischen Meisterschaft geworden und solche Leistungen müssen einfach gefördert werden. Der zukünftige Trainer wird mit Sicherheit eine interne Lösung werden.
  • DA: Ist der Rückzug aus der zweiten Liga endgültig, sprich: Es wird nie wieder höherklassiges Volleyball in Dingolfing zu sehen geben?
    Toni Kiebler: Das würde ich jetzt nicht sagen. Wenn zum Beispiel ein talentierter Jahrgang da ist, der sich sportlich dafür qualifiziert, habe ich kein Problem damit wieder höherklassig zu spielen. Wichtig ist und bleibt, dass die Spielerinnen aus dem Umkreis kommen. Verrückte Sachen werden wir sicherlich nicht machen.
  • DA: In Dingolfing sieht es im Sport generell nicht allzu rosig aus. Der EVD war zwar erfolgreich, aber tritt aus finanziellen Gründen nicht den Aufstieg in die Bayernliga an. Der FCD dümpelt in der Landesliga im Keller. Dabei gibt es in Dingolfing doch „paradiesische“ Voraussetzungen…
    Toni Kiebler: Das haben Sie absolut Recht. Es gibt wohl weit und breit nicht so hervorragende Voraussetzungen wie in Dingolfing. Angefangen von den Sportstätten bis hin zu der Sportförderung, die sowieso seinesgleichen sucht. Man muss aber die Vereine auch verstehen, wenn sie verantwortungsvoll vorgehen. Das haben der TVD und auch der EVD mit ihren Entscheidungen jetzt auch bewiesen.
  • DA: Trotzdem sucht man nach dem Rückzug des TVD einen Spitzenverein in Dingolfing vergeblich. Gibt es generell zum Beispiel ein Problem Sponsoren zu akquirieren, weil es den Leuten hier so gut geht?
    Toni Kiebler: Die Sponsorenlandschaft ist für eine Stadt mit 18.000 Einwohnern in der Tat begrenzt. Es gibt aber noch andere Probleme.
  • DA: Meinen Sie zufällig die Zuschauerzahlen, die bei allen Vereinen ja eher dürftig sind?
    Toni Kiebler: Genau die wollte ich damit ansprechen. Wir selbst haben ja alles versucht, dass wir Zuschauer in die Halle bekommen, aber die Zuschauerzahlen sind einfach nicht zufrieden stellend. Auch beim EV Dingolfing oder dem FCD wäre da viel Luft nach oben. Da scheint Dingolfing ein wirklich schwieriges Pflaster zu sein. Ich hoffe ja immer noch, dass es sich vielleicht einmal wieder ändert. Das hätten sich auch die Vereine verdient.

Das Interview führte Andy Forster

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